In Ottersberg treten Tim Willy Weber und Reiner Sterna in der Stichwahl um das Bürgermeisteramt an. In der Region Hannover bewerben sich Eva Bender und Dr. Oliver Junk in der Stichwahl um das Amt der Regionspräsidentin oder des Regionspräsidenten. Und in Oldenburg geht es zwischen Ulf Prange und Jascha Rohr um das Amt des Oberbürgermeisters. Drei Orte, sechs Namen und drei von insgesamt 123 Stichwahlen, die nach dem ersten Wahlgang erforderlich sind.
Vor der Wahl hatte Mehr Demokratie in 164 Kommunen eine Stichwahl als potenziell möglich eingeschätzt. Nun ist klar: In 272 der 395 Direktwahlen fiel die Entscheidung bereits am 13. September. In den übrigen 123 Fällen kommt es am 27. September zur Stichwahl.
Die Stichwahl soll eine wichtige Lücke schließen: Niemand soll ein Amt mit weniger als der Hälfte der gültigen Stimmen übernehmen. Der Preis dafür ist ein zusätzlicher Wahltag. Wahlleitungen müssen erneut Wahllokale besetzen, Unterlagen bereitstellen und Stimmen auszählen. Für die Bürgerinnen und Bürger heißt es: noch einmal informieren, noch einmal den Termin einplanen, noch einmal zur Wahl gehen. Erfahrungsgemäß ist die Beteiligung bei diesem zweiten Termin oft geringer.
In Zukunft dürfte die Aufmerksamkeit für einzelne Direktwahlen noch wichtiger werden. Hauptamtliche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie Landrätinnen und Landräte werden in Niedersachsen künftig wieder für acht Jahre gewählt. Die allgemeinen Kommunalwahlen finden alle fünf Jahre statt. Die Wahl der Verwaltungsspitze steht dadurch häufiger allein im Kalender und nicht gemeinsam mit der Wahl der kommunalen Vertretungen wie dieses Jahr am 13. September.
Mehr Demokratie schlägt deshalb eine Präferenzwahl vor, die die Stichwahl in den ersten Wahlgang einbaut, die “integrierte Stichwahl”. Das Prinzip lässt sich an einem einfachen Beispiel erklären: Bei drei Bewerberinnen und Bewerbern markieren die Wählerinnen und Wähler ihre erste Wahl mit der 1 und ihre zweite Wahl mit der 2. Erreicht zunächst niemand die Mehrheit, scheidet die Person mit den wenigsten Erststimmen aus. Ihre Stimmzettel werden nach der jeweils nächsten Präferenz verteilt. Dieser Vorgang wird wiederholt, bis eine Person mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erreicht.
Für die Wahl in Ottersberg, in der Region Hannover oder in Oldenburg hätte das bedeutet: Die Entscheidung wäre bereits am 13. September gefallen, auch wenn zunächst niemand die Mehrheit erreicht hätte. Die Wählerinnen und Wähler hätten trotzdem mehrere Personen bewerten können. So bliebe die Auswahl breit, während die gewählte Person am Ende eine Mehrheit hinter sich hätte.
Die integrierte Stichwahl verbindet damit Mehrheit und Beteiligung, ohne die Entscheidung auf einen zweiten Termin zu verschieben. Mehr Demokratie fordert, dieses Verfahren in Niedersachsen bei der Wahl von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie Landrätinnen und Landräten einzuführen.
Stand: 15. September 2026. Die Zahlen beruhen auf der amtlichen Übersicht „Direktwahlen 2026 in Niedersachsen“, Stand 15.09.2026, 09:41 Uhr. Die Übersicht bezeichnet die Ergebnisse als vorläufig.
Weitere Informationen zur Forderung: Integrierte Stichwahl einführen
