Das aktuelle Wahlrecht ist am Ende. Der Staatsgerichtshof verlangt neue Wahlkreise, doch bloßes Flicken hilft nicht mehr, glaubt Paul Tiefenbach, niedersächsischer Landesvorstand des Fachverbands Mehr Demokratie. Die bisherigen Pläne der Politik führe direkt in die Sackgasse: Das Parlament würde durch Überhangmandate immer größer und teurer, so der Wahlrechtsexperte.
Tiefenbach schlägt deshalb vor, die bisherigen 87 Wahlkreise zu etwa 25 größeren Regionen zusammenzulegen. In diesen „Mehrmandatswahlkreisen“ werden jeweils zwei bis sechs Abgeordnete direkt gewählt.„Das System ist flexibel anpassbar - je nach Zahl der Bürgerinnen und Bürger im Wahlkreis. Das ewige Umzeichnen der Landkarte hat dann ein Ende“, betont Tiefenbach.
Zentraler Punkt der Reform ist das Drei-Stimmen-System, wie es Bürgerinnen und Bürger bereits von Kommunalwahlen kennen. Sie können ihre Stimmen bei einer Person häufeln (kumulieren) oder auf verschiedene Personen verteilen (panaschieren). Wer seine Stimme nicht einzeln vergeben will, wählt einfach wie bisher die Landesliste. „Jeder so, wie er mag“, so Tiefenbach.
Mehr Freiheit beim Wählen stärke das Vertrauen. Das System muss den Bürgerinnen und Bürgern dienen, nicht den Parteien. Tiefenbach: „Wer die besten Köpfe will, muss den Menschen die Wahl lassen. Das ist ehrlich und sorgt für ein Parlament, das passt.“
Das neue System böte zudem eine Chance für mehr Vielfalt. In den bisherigen kleinen Wahlkreisen setzen Parteien oft auf das Altbewährte. In größeren Wahlkreisen mit offenen Listen haben Frauen und jüngere Kandidatinnen und Kandidaten deutlich bessere Erfolgsaussichten. Das Parlament werde so zu einem echten Spiegelbild der Gesellschaft.
Download:
Mehr Auswahl, weniger Bürokratie: Ein modernes Landtagswahlrecht für Niedersachsen. Ein Konzeptpaper von Mehr Demokratie (Februar 2026)
https://bremen-nds.mehr-demokratie.de/fileadmin/user_upload/HB/pdf/NiedersachsenModernesLandtags-Wahlrecht2026.pdf


