Erfolgreich Unterschriften sammeln trotz Corona

Am 9. Mai findet ein Bürgerentscheid in der Samtgemeinde Brookmerland statt. Die Initiatoren wollen verhindern, dass die Gemeinde eine Seniorenwohnanlage veräußert. Die Unterschriften sammelten die Initiatoren scheinbar mühelos. Trotz Corona. Wie das?

Auszug aus der Werbung für das Bürgerbegehren

Die Störtebeker-Wohnlage in Marienhafe (Brookmerland), auch bekannt als AWO-Wohnanlage, soll in kommunaler Hand bleiben. Das ist das Ziel der Initiatoren des Bürgerbegehrens „gegen den Verkauf der AWO-Wohnanlage in Marienhafe“. Bis 2019 gehörten die 24 Sozial-Wohnungen der Arbeiterwohlfahrt Weser-Ems, dann wurde die Anlage von der Samtgemeinde Brookmerland gekauft.

Anfang 2020 beschloss eine Gemeinderats-Mehrheit aus CDU, Grünen und diversen lokalen Wählergemeinschaften, die Anlage zu veräußern. Die Verwaltung hat den Ratsbeschluss seitdem nicht umgesetzt. Bewohner und SPD wollen den Verkauf verhindern, da dieser unsozial und wirtschaftlich nicht notwendig sei. Gerade Letzteres bestreiten die Gegner.

Das Bürgerbegehren wurde unter anderem von dem AWO-Funktionär und ehemaligen SPD-Politiker Otto Thiele gestartet. Unterschreiben mussten 1.100 Personen, das entspricht einem Zehntel aller Wahlberechtigten bei der letzten Kommunalwahl. Diese Unterschriften sammelte die Initiative scheinbar mühelos. Wie das? Wir fragten nach bei Otto Thiele.

Der Sozialdemokrat fungiert als Vorsitzender der AWO-Ortsvereins Brookmerland und war lange Jahre Bürgermeister der Gemeinde Upgant-Schott sowie SPD-Fraktionsvorsitzender im Rat der Samtgemeinde Brookmerland.

Vier Fragen, vier Antworten

Herr Thiele, Sie haben binnen zwei Monaten eine vierstellige Zahl an Unterschriften gesammelt. Und das trotz der Coronakrise mit all Ihren Einschränkungen. Wie funktioniert das?
Otto Thiele: Unterschriften wurden gesammelt an der Haustür, in Praxen und Geschäften, bei Vereinen. Dank großer Unterstützung lief alles sehr schnell. Wir drei Akteure gut vernetzt, daher die große Unterstützung.

Der Mangel an Wohnraum, vor allem an bezahlbarem Wohnraum, gilt vielen als die neue soziale Frage. Allerdings eher in den Großstädten. Wie groß ist das Problem in Ihrer Region?
Otto Thiele: Der Mangeln an Wohnraum hält sich hier in Grenzen, es gibt hier viele Häuslebesitzer.

Wer unterstützt Ihr Bürgerbegehren? Welche Gründe sind ausschlaggebend?
Otto Thiele: Der soziale Gedanke war mit ausschlaggebend. Eintreten für die Schwächeren in der Gesellschaft: Das galt bei Alt und ebenso bei Jung.

Bitte ein Ratschlag an alle, die aktuell Unterschriften sammeln!
Otto Thiele: Erfolgreich ist man, wenn das Bürgerbegehren sachlich begründet ist.

 

Drei Fakten zu diesem Bürgerentscheid

1. Es handelt sich um den zehnten Bürgerentscheid im Landkreis Aurich, den ersten in der Samtgemeinde Brookmerland und den 129. in Niedersachsen.

2. Die Nachbargemeinde Südbrookmerland ist in Sachen direkter Demokratie aktiver. Dort fanden bereits zwei Bürgerentscheide statt.

3. Von den sechs Bürgerbegehren des laufenden Jahres in Niedersachsen gingen fünf im Sinne der Initiatoren aus. Das entspricht einem Anteil von 83,3 Prozent.

Woher wir all das wissen? Nun, wir haben in unsere gut gepflegte Übersicht geschaut.

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